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By 1. August 2017Presse

Düsseldorfs Modebranche wieder im Aufwind

Traditionell gilt Düsseldorf als Hauptstadt der Mode. Doch Zweifel nagten zuletzt an dem Image. Jetzt will die Branche ihr immenses Potenzial wieder neu in den Blick rücken. Und dafür gibt es kreative und innovative Ideen, wie Branchenvertreter beim Roundtable „Passion for Fashion“ der Rheinischen Post deutlich machen.
Von Jürgen Grosche
 
Die Zahlen der städtischen Wirtschaftsförderer sprechen für sich: Mehr als 3000 Unternehmen der Branche erwirtschaften hier einen Umsatz von 18 Milliarden Euro – das sind 8,2 Prozent der gesamten Düsseldorfer Wirtschaftsleistung. In der Düsseldorfer Modewirtschaft sind fast 25.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig.

Doch in der Modebranche haben viele den Eindruck, dass der Wert dieses Potenzials in der jüngeren Vergangenheit ein wenig aus dem Blick geraten ist. Messeveranstaltungen verzeichneten Rückgänge, Vertriebsstrukturen änderten sich. Doch nun scheint ein frischer Wind durch die Modewelt am Rhein zu wehen; zumindest zeigen sich Vertreter der Branche beim Roundtable der Rheinischen Post optimistisch.

Für C&A-Pressesprecher Thorsten Rolfes stand die Relevanz des Standortes ohnehin nie infrage: Das Modeunternehmen beschäftigt allein in Düsseldorf und Umgebung rund 2000 Mitarbeiter. Viele von ihnen kommen aus dem Großraum NRW, aber auch aus ganz Europa, ebenso Lieferanten. „Sie alle schätzen die große Zentralität“, sagt Rolfes und verweist auf die Nähe zum internationalen Flughafen und die gute Infrastruktur bei Verkehr, Hotels und Gastronomie.

Ebenso wissen auch die nationalen und internationalen Einkäufer, die zwischen 30 und 120 Ordertage in Düsseldorf verbringen, um Mode der verschiedenen Labels und Brands einzukaufen, und viel Geld in die Stadt spülen, diese Infrastruktur zu schätzen. Der Messeveranstalter Igedo Company spürt einen Aufwind nun schon über mehrere Saisons, sagt Prokuristin Ulrike Kähler: „Wir haben uns wieder nach vorne entwickelt.“Auch durch die Zusammenarbeit mit dem städtischen Netzwerk Fashion Net, das einiges tut, um „Einkäufer wieder mehr an Düsseldorf zu binden“, wie Vorstand Angelika Firnrohr schildert.

Zu den aktuellen Vorhaben gehören eine App und Informations-Tools, die zum Beispiel Branchen-News bieten sollen oder Leitsysteme, um Show Rooms zu präsentieren. Das könne sich weiterentwickeln bis hin zu einem digitalen Modejournal, sagt Firnrohr. Für diese Aufgaben sucht das Netzwerk weitere Kooperationspartner und Unterstützer auch aus der Branche. „Wir müssen für mehr Sichtbarkeit in der Stadt sorgen“, betont die Expertin.

„Wir brauchen dafür Budgets“, ergänzt Kähler. Um internationale Gäste nach Düsseldorf zu holen und ihnen etwas zu bieten, muss man eben Geld in die Hand nehmen. Dazu könnten sich auch unterschiedliche Branchen besser verzahnen, meint Jonas Klingenstein, Managing Director bei der Agentur the fable, und verweist auf das Beispiel der „Mercedes-Benz Fashion Week“ in Berlin. Düsseldorf müsse Wege finden, die eigene Mode-DNA wieder in den Vordergrund zu rücken, fordert Mirjam Dietz von munichfashion.company.

Die App sei dafür bereits ein wichtiges Tool. Allgemein sei die Modebranche wegen Veränderungen der Vertriebsstrukturen und der Kundennachfrage unter Druck. Wenn die Düsseldorfer Modebranche Antworten für die veränderte Marktsituation finde, könne sie sich damit profilieren. Eine Anregung findet beim Roundtable – und vielleicht darüber hinaus? – ein großes Echo: Annette Görtz (Görtz-Welsch Modedesign) schlägt einen „Fashion Garden“ vor, in dem sich ähnlich wie in einem Pariser Vorbild Aussteller mit Kleidungsstücken präsentieren, die sie untereinander kombinieren.

In einem solchen „Trendgarten“ könnten Einkäufer neue Marken entdecken. Als Ort dafür eigne sich nach Ansicht von Mirjam Dietz zum Beispiel das Ehrenhof-Ensemble. Dies inspiriert die Diskussionsteilnehmer zu weiteren y Ideen: „Wir müssen Treffpunkte schaffen“, sagt Holger Röver, Marketing Director bei van Laack. Das lasse sich gut mit einem Trendgarten verbinden. Die Bevölkerung müsse man mehr einbeziehen, damit die Branche in Düsseldorf mehr präsent sei.

„Es gibt schließlich ein großes Interesse am Thema Mode.“ Man müsse „ein ganzes Paket schnüren“, fordert Peter Lohèl aus der Geschäftsleitung des Modeunternehmens Sem Per Lei. Er denkt dabei an die Licht-Show am Düsseldorfer Fernsehturm, die für wenige Tage der Tour de France extra installiert wurde, während Modeevents das ganze Jahr über laufen. Düsseldorf sei mit Orten wie dem neuen Hafen und einigen Locations gut für eine bessere Präsentation aufgestellt. Und man könne prominente Zeugen einbinden, die für den Standort sprechen, fügt Judith Jahnke, PR-Managerin bei Esprit, hinzu.

Als wichtigen Vorteil des Standortes sieht Manuel Farrokh, Mitglied der Geschäftsleitung bei van Laack und Inhaber von Farrokhconsulting, die kurzen Wege in Düsseldorf. „So lassen sich unterschiedliche Angebote gut verbinden.“ Dies könne man nutzen, um die Gemeinschaft in der Branche zu stärken, Events zu vernetzen und die Kommunikation zu verbessern. Farrokh begrüßt daher ebenfalls die App, aber auch die Vorschläge, die Bevölkerung einzubinden, „unsere Markenzeichen nach außen zu tragen“ und alles mit einer „kommunikativen Klammer“ zu verbinden.

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