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Roundtable – Passion for fashion

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Peter Lohèl (Sem Per Lei): „Der Roundtable war ein gelungenes Treffen. Wir als Teilnehmer hatten ein gutes Miteinander. Die Runder hat jedem von uns die Möglichkeit gegeben, auch einmal über den eingenen Tellerrand zu schauen. Besonders erfreulich war die vielfalt der Akteure. Die Gespräche gingen tiefer als bei jedem Get-together. Für die Zukunft wünsche ich mir weitere solcher Treffen – wohl dosiert, damit keine Abnutzungseffekte entstehen. Sich austauschen, auch mit dem Ziel sich zu vernetzen, ist heute wichtiger denn je. Als Einzelkämpfer kommt man nämlich nicht mehr weit. Überhaupt sollte sich Mode zunehmend als Gesamtpaket vermarkten. Das ist nur möglich, wenn Kräfte gebündelt werden und auch finanzielle Mittel fließen. Von Seiten der Stadt passiert da leider kaum was. Düsseldorf kann sich jedoch über die Mode profilieren, schließlich ist die Kaufkraft in der Landeshauptstadt sehr hoch. Unsere Branche muss im Stadtbild präsenter werden, damit die Modemetropole Düsseldorf nicht nur ein reines Lippenbekenntnis bleibt. Deshalb haben wir bewusst unsere neue Kampange für die Frühjahrs- und Sommerkollektion 2018 auch auf Düsseldorf bezogen. Der Widererkennungswert ist hoch, und es ist ein klares Bekenntnis zum Standort.“

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Muss Mode nachhaltiger werden?

Experten sprechen in Sachen Nachhaltigkeit von einem Makrotrend, der sich langsam in der Gesellschaft durchsetzt, weil er dem Wunsch von immer mehr Konsumenten entspricht. Inwiefern Nachhaltigkeit und Mode zusammenpassen, haben jetzt die Branchenvertreter beim ersten Roundtable „Passion for Fashion“ diskutiert.
Von Vera Straub-Roeben

 

In der Modebranche wird derzeit zwischen Fast-Fashion und Slow-Fashion unterschieden, also zwischen kurzen Hypes, die bald zu Schrankleichen werden, und nachhaltiger, entschleunigter, bewusster Mode wie Kleidung aus Biostoffen oder recycelten Materialien. Nachhaltigkeit ist in allen Bereichen auf dem Vormarsch und will unbedingt Einzug in die Modewelt halten.

Doch aller Anfang ist schwer, wissen die Fachleute. Einige Labels wollen Gutes für die Umwelt tun, indem sie Mode aus recyceltem Plastikmüll aus dem Meer herstellen, Vorreiter sind dabei G-Star mit der „Raw for the Oceans“-Kollektion, Adidas mit dem Sportschuh „Adidas x Parley“, der unter dem Motto „Run for the Oceans“ produziert wird, oder auch Fußballtrikots, mit dem die Kicker von Real Madrid eine erfolgreiche Saison absolviert haben.

Ideengeber und treibende Kraft ist dabei Cyrill Gutsch, Designer und Gründer der Meeresschutzorganisation „Parley for the Oceans“. Doch wie gehen Modeunternehmen in und um Düsseldorf damit um? In den meisten Geschäften werden Plastiktüten seit einem Jahr nicht mehr gratis über den Verkaufstresen gereicht, stehen sie doch als Symbol für die Vermüllung der Meere.

Paul Prange zum Beispiel, Inhaber der Prange-Schuhhäuser, bietet seinen Kunden weiterhin Plastiktüten als kostenlosen Service an, versucht aber, sie an den Kassen zu einer Spende für die Meeresschutzorganisation Oceancare zu animieren. „Am Ende des Jahres verdoppeln wir dann den Betrag“, sagt er. Das Material der Tragetasche ist das eine, aber viel wichtiger ist doch, dass auch der Inhalt der Tüte stimmt.

Das kann Thorsten Rolfes, Head of Corporate Communications C&A Europe, nur bestätigen: „Laut Studien bewertet ein Großteil der Frauen Nachhaltigkeit als wichtig oder sogar sehr wichtig. Inwieweit dieser Aspekt sich aber tatsächlich in der Kaufentscheidung niederschlägt, können wir nicht genau sagen.“

Als sozial und im Umweltschutz aktives Unternehmen will C&A mit gutem Beispiel vorangehen und bietet unter anderem T-Shirts an, bei deren Produktion alle Nachhaltigkeitskomponenten von fairen Löhnen über gute Arbeitsbedingungen bis hin zum Wasser- und Energieverbrauch gesichert sind.“Sie bestehen aus 100 Prozent Biobaumwolle, sind GOTS zertifiziert und kompostierbar, also ,designed tob e recycelt‘, und wurden von zwei Top-Lieferanten in Indien gefertigt. Und Nachhaltigkeit muss noch nicht einmal teuer sein: Wir bieten die T-Shirts für sieben beziehungsweise neun Euro an.“

Neben fairen Arbeitsbedingungen für die Produzenten, umweltfreundlichen Materialien und müllvermeidendem Verhalten zählt laut Mirjam Dietz, die sich mit ihrer Beratungsagentur weltweit einen Namen gemacht hat und für zahlreiche Messeveranstalter, unter anderem für die munichfashion.company GmbH, tätig ist, das Bewusstsein – das der Verbraucher, aber auch das der Einkäufer.

Letzteres hat der Messeveranstalter Igedo Company in den vergangenen drei Saisons stetig versucht zu wecken, wie Ulrike Kähler, Igedo-Prokuristin und Projekt-Direktorin der Gallery, betont. „Die Resonanz war leider sehr gering. Man sollte den Einkäufern erklären, dass sie nicht nur das schöne Design oder den guten Schnitt kaufen. Die Hersteller bemühen sich darum, nachhaltige Mode zu produzieren, aber sie muss auch wahrgenommen werden.“

Ob es an der Optik liegt? Bei den Schuhen auf jeden Fall, sagt Birte Prange. Sie ist seit 20 Jahren im Unternehmen ihres Mannes unter anderem für den modischen Schuheinkauf verantwortlich und beobachtet auch den Aspekt Nachhaltigkeit genau: „Vegane Schuhe werden oft aus Kunstleder hergestellt, da kann die Qualität schon mal auf der Strecke bleiben. Durch die geringe Lebensdauer und den oft hohen Chemikalieneinsatz handelt es sich hierbei meist keineswegs um nachhaltige oder ökologisch sinnvolle Produkte. Hinzu kommt, dass dem modischen Aspekt von vielen Produzenten zu wenig Rechnung getragen wird.“

Da sei Esprit schon einen Schritt weiter als so mancher Schuh-Hersteller, wie Judith Jahnke, Esprit Mode- und Markenkommunikation, betont: „Esprit arbeitet viel mit Biobaumwolle und recycelten Stoffen. Natürlich werden die Kleidungsstücke dann etwas teurer im Verkauf, aber wir erklären unseren Kunden den Unterschied. Dazu spielen wir mit den Trends, greifen aktuell etwa den Retro-Look oder Allover-Prints auf. Damit erreichen wir vor allem das junge Publikum. Man kann es sich heute einfach nicht mehr leisten, nicht nachhaltig zu sein.“

Modedesignerin Annette Görtz sieht dem Nachhaltigkeitstrend gelassen entgegen. „Ich weiß, wo meine Kollektionen produziert werden, nämlich vorwiegend in Deutschland. Ich finde es aber grundsätzlich schlimm, dass man ,Bio‘ draufschreiben muss, um zu verkaufen. Denn eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass fair und nachhaltig produziert wird.“ Dennoch sei sie „allergisch“ gegen all die Zertifizierungen und Gütesiegel, die die Qualität beschreiben. „Die Etiketten erörtern das in epischer Breite und in vielen Sprachen. Das liest doch ohnehin kaum jemand.“

Allerdings, und das weiß Holger Röver, Marketing Director van Laack GmbH: „Beim Thema Nachhaltigkeit herrscht allgemein ein ungesundes Halbwissen. Damit Nachhaltigkeit zu einem glaubwürdigen und selbstverständlichen Kaufentscheidungskriterium wird, müssen die Verbraucher erst einmal umfangreich informiert werden.“ Angelika Firnrohr, Geschäftsführung Fashion Net Düsseldorf, bestätigt: „Der Verbraucher hat die Macht. Je besser er informiert ist, desto besser kann er sich bewusst mit einem Thema auseinandersetzen.“

Die Branche sucht nach Ideen und Möglichkeiten, die wichtigen Informationen unterhaltsam und ohne erhobenen Zeigefinger an den Kunden zu bringen. Das könne zum Beispiel durch Blogger gelingen, die eine Kooperation mit dem jeweiligen Label eingehen, wie Shahin Moghadam, Geschäftsführer und Creative Director unique europe GmbH, vorschlägt. „Wir wollen dabei aber authentisch bleiben“, sagt er. Bei allem Ideenreichtum sieht Holger Röver aber noch ein gutes Stück Arbeit auf die Branche zukommen: „Die Textilindustrie allein wird es nicht schaffen, das Problem zu lösen. Jeder kann aber seine Hausaufgaben machen und seinen Beitrag dazu leisten.“

RP-Roundtable

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Düsseldorfs Modebranche wieder im Aufwind

Traditionell gilt Düsseldorf als Hauptstadt der Mode. Doch Zweifel nagten zuletzt an dem Image. Jetzt will die Branche ihr immenses Potenzial wieder neu in den Blick rücken. Und dafür gibt es kreative und innovative Ideen, wie Branchenvertreter beim Roundtable „Passion for Fashion“ der Rheinischen Post deutlich machen.
Von Jürgen Grosche
 
Die Zahlen der städtischen Wirtschaftsförderer sprechen für sich: Mehr als 3000 Unternehmen der Branche erwirtschaften hier einen Umsatz von 18 Milliarden Euro – das sind 8,2 Prozent der gesamten Düsseldorfer Wirtschaftsleistung. In der Düsseldorfer Modewirtschaft sind fast 25.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig.

Doch in der Modebranche haben viele den Eindruck, dass der Wert dieses Potenzials in der jüngeren Vergangenheit ein wenig aus dem Blick geraten ist. Messeveranstaltungen verzeichneten Rückgänge, Vertriebsstrukturen änderten sich. Doch nun scheint ein frischer Wind durch die Modewelt am Rhein zu wehen; zumindest zeigen sich Vertreter der Branche beim Roundtable der Rheinischen Post optimistisch.

Für C&A-Pressesprecher Thorsten Rolfes stand die Relevanz des Standortes ohnehin nie infrage: Das Modeunternehmen beschäftigt allein in Düsseldorf und Umgebung rund 2000 Mitarbeiter. Viele von ihnen kommen aus dem Großraum NRW, aber auch aus ganz Europa, ebenso Lieferanten. „Sie alle schätzen die große Zentralität“, sagt Rolfes und verweist auf die Nähe zum internationalen Flughafen und die gute Infrastruktur bei Verkehr, Hotels und Gastronomie.

Ebenso wissen auch die nationalen und internationalen Einkäufer, die zwischen 30 und 120 Ordertage in Düsseldorf verbringen, um Mode der verschiedenen Labels und Brands einzukaufen, und viel Geld in die Stadt spülen, diese Infrastruktur zu schätzen. Der Messeveranstalter Igedo Company spürt einen Aufwind nun schon über mehrere Saisons, sagt Prokuristin Ulrike Kähler: „Wir haben uns wieder nach vorne entwickelt.“Auch durch die Zusammenarbeit mit dem städtischen Netzwerk Fashion Net, das einiges tut, um „Einkäufer wieder mehr an Düsseldorf zu binden“, wie Vorstand Angelika Firnrohr schildert.

Zu den aktuellen Vorhaben gehören eine App und Informations-Tools, die zum Beispiel Branchen-News bieten sollen oder Leitsysteme, um Show Rooms zu präsentieren. Das könne sich weiterentwickeln bis hin zu einem digitalen Modejournal, sagt Firnrohr. Für diese Aufgaben sucht das Netzwerk weitere Kooperationspartner und Unterstützer auch aus der Branche. „Wir müssen für mehr Sichtbarkeit in der Stadt sorgen“, betont die Expertin.

„Wir brauchen dafür Budgets“, ergänzt Kähler. Um internationale Gäste nach Düsseldorf zu holen und ihnen etwas zu bieten, muss man eben Geld in die Hand nehmen. Dazu könnten sich auch unterschiedliche Branchen besser verzahnen, meint Jonas Klingenstein, Managing Director bei der Agentur the fable, und verweist auf das Beispiel der „Mercedes-Benz Fashion Week“ in Berlin. Düsseldorf müsse Wege finden, die eigene Mode-DNA wieder in den Vordergrund zu rücken, fordert Mirjam Dietz von munichfashion.company.

Die App sei dafür bereits ein wichtiges Tool. Allgemein sei die Modebranche wegen Veränderungen der Vertriebsstrukturen und der Kundennachfrage unter Druck. Wenn die Düsseldorfer Modebranche Antworten für die veränderte Marktsituation finde, könne sie sich damit profilieren. Eine Anregung findet beim Roundtable – und vielleicht darüber hinaus? – ein großes Echo: Annette Görtz (Görtz-Welsch Modedesign) schlägt einen „Fashion Garden“ vor, in dem sich ähnlich wie in einem Pariser Vorbild Aussteller mit Kleidungsstücken präsentieren, die sie untereinander kombinieren.

In einem solchen „Trendgarten“ könnten Einkäufer neue Marken entdecken. Als Ort dafür eigne sich nach Ansicht von Mirjam Dietz zum Beispiel das Ehrenhof-Ensemble. Dies inspiriert die Diskussionsteilnehmer zu weiteren y Ideen: „Wir müssen Treffpunkte schaffen“, sagt Holger Röver, Marketing Director bei van Laack. Das lasse sich gut mit einem Trendgarten verbinden. Die Bevölkerung müsse man mehr einbeziehen, damit die Branche in Düsseldorf mehr präsent sei.

„Es gibt schließlich ein großes Interesse am Thema Mode.“ Man müsse „ein ganzes Paket schnüren“, fordert Peter Lohèl aus der Geschäftsleitung des Modeunternehmens Sem Per Lei. Er denkt dabei an die Licht-Show am Düsseldorfer Fernsehturm, die für wenige Tage der Tour de France extra installiert wurde, während Modeevents das ganze Jahr über laufen. Düsseldorf sei mit Orten wie dem neuen Hafen und einigen Locations gut für eine bessere Präsentation aufgestellt. Und man könne prominente Zeugen einbinden, die für den Standort sprechen, fügt Judith Jahnke, PR-Managerin bei Esprit, hinzu.

Als wichtigen Vorteil des Standortes sieht Manuel Farrokh, Mitglied der Geschäftsleitung bei van Laack und Inhaber von Farrokhconsulting, die kurzen Wege in Düsseldorf. „So lassen sich unterschiedliche Angebote gut verbinden.“ Dies könne man nutzen, um die Gemeinschaft in der Branche zu stärken, Events zu vernetzen und die Kommunikation zu verbessern. Farrokh begrüßt daher ebenfalls die App, aber auch die Vorschläge, die Bevölkerung einzubinden, „unsere Markenzeichen nach außen zu tragen“ und alles mit einer „kommunikativen Klammer“ zu verbinden.